Das Spiel mit dem Ende

Meine Werke, seien es Shortstorys oder Gedichte, sind bekannt für ihre abrupten Enden. Diese unerwarteten Wendungen sind kein Zufall, sondern eine Einladung an Sie, selbst weiterzudenken, fortzuspinnen und die unausgesprochenen Emotionen zu erforschen. 

 

Was geblieben ist

Meine Gedanken tobten wie ein wildes Gewässer.

Fast trete ich auf eine weiße Orchideenblüte, die vor mir auf dem Weg lag,

so als wäre sie dort erblüht.

Ich bette sie behutsam in die Wiese, um ihr ein würdiges Begräbnis zu geben.

Du fragst: „Hebst du alles Schöne auf“?

Heute kann ich mich an keinen meiner Gedanken erinnern,

nur an eine schöne Blüte, die der Wind davontrug.

© by Lyra 10.7.2024

Vertont: von Helmuth Treichel

(Produzent, Labelbetreiber, Sänger und Songwriter aus Augsburg

 ehemaliger Sänger von GIFT, Gründer: Atomic Picnic Project)

 

Begegnung

Sie begegneten sich wie zwei Tauben im Regen,

die mit eingezogenen Köpfen auf einem Mauervorsprung Schutz suchten

ein leises Knacksen, sie fühlen ihre Berührung nicht mehr

und jeder fliegt in eine andere Richtung

Eine Begegnung ohne Beigeschmack des Bedauerns.

© by Lyra Juni 2025

 

Track erstellt von Helmuth Treichel (Produzent, Labelbetreiber,

Sänger und Songwriter aus Augsburg – ehemaliger Sänger von GIFT, Gründer des Atomic Picnic Project)

Verlorenes Paradies

Wenn der Wind über die verbrannte, kahle Erde weht, die Glocke in der verkohlten Kirchenruine bewegt,

hört man ihr leises Läuten noch.

Und uns die Alte, mit dem vernarbten Gesicht und den verbrannten Händen, die nicht heilen wollen, erzählt

wie es vor dem Feuersturm war, den ein riesiger Pilz aus dem Himmel herabschleuderte,

vergessen wir kurz die Kahlheit und Ödnis, die Menschen und Tiere,

wie sie mit ihren verbrannten Körpern schleichend herumirren.

Bunt waren die Menschen.

Lebhaft hüpften und trabten Tiere umher, Vögel flogen am Himmel.

Die verbrannte, harte Erde, auf der wir sitzen, war mit Gras bedeckt, es soll grün, gerochen haben.

Hier gibt es keine Gerüche mehr.

Wir starren auf zerknitterte, vergilbte Fotografien aus einer vergangenen Zeit, die uns die Alte mit zittrigen Händen zeigt,

und träumen davon, wie wir barfuß über weiches, kühles Gras laufen, umhüllt mit Duft von Grün.

© by Lyra 2025

Das Porträt

Löwenzahn